Samengärtnerei: Generelles zur Saatkonservierung und Keimfähigkeit

Von Samengärtnerei spricht man, wenn man neben den eigentlichen "Feldfrüchten" auch das Saatgut einer Pflanze erntet und konserviert. Genauso wie die Ernte, Lagerung und Konservierung der Früchte bei jeder Gemüsessorte unterschiedlich ist, gibt es auch für das Saatgut einige sortenspezifische Aspekte zu beachten. 

Dies gilt jeweils für:
  • Samenernte
  • Saatgutreinigung
  • Saatgutkonservierung
  • Aussaat
Zudem haben die Samenkörner der verschiedenen Gemüse, Kräuter oder Blumen eine unterschiedliche Haltbarkeit. 
Die zu den Nachtschattengewächsen zählenden Tomaten, Chili, Paprika und Auberginen, aber auch Kürbisse und Zucchini zählen zu den haltbarsten Samen im Gemüsebau (ca. 5-10 Jahre). Besonders die genannten Nachtschattengewächse eignen sich hervorragend für den Balkon, da sie "warme Füße" lieben. Betrachtet man die Wachstumsperiode der in unseren Breiten meist einjährigen Gewächse, kann ein Garten diesen Pflanzen den warmen Boden nur über eine kurze Zeit bieten. Sonnenbeschienene Terracottatöpfe vor einer wind- und regengeschützten Hauswand bieten diesen Pflanzen hingegen optimale Bedingungen.

Zu den am wenigsten haltbaren Samen zählen die der Pastinaken, die schon nach weniger als einem Jahr ihre Keimfähigkeit verlieren können. Extrem haltbar hingegen sind die Samen mancher Kräuter und auch Wilkräuter (Unkraut).

Im Internet und in Büchern (z.B. "Handbuch Samengärtnerei", A. Heistinger) gibt es Tabellen, die eine Übersicht über die Saatguthaltbarkeit der einzelnen gängigen Gemüsesorten liefern. Dabei ist auch die Lagerung des Saatguts entscheidend. Möglichst kühl, dunkel und trocken sollte Saatgut aufbewahrt werden, dabei ist eine "luftige Lagerung" besser als eine in hermetisch abgeschlossenen Gefässen (vor allem zur Schimmelvorbeugung). Ein Samenkorn ist aber – auch wenn auf den ersten Blick nicht den Eindruck zu erwecken vermag – etwas Lebendiges, in dem Stoffwechselvorgänge ablaufen, die Energie benötigen und letztlich verbrauchen. Ist keine Energie mehr vorhanden, so fehlt die Kraft für die Keimung.

Eine regelmässige Frage der Samengärtner und Saatgutsammler ist jene nach der Keimfähigkeit. Rentiert sich die Aussaat der Samen aus diesem alten Tütchen noch? ... zumal bei Balkongärtnern, die ihre Samen im Wohnzimmer anziehen und bei denen die Platzverhältnisse nicht selten begrenzt sind.

Die Keimfähigkeit kann man im Winter testen – bestenfalls rechtzeitig vor dem Zeitpunkt der eigentlichen Aussat – indem man eine bestimmte Anzahl der Samenkörner auf ein helles feuchtes Küchenkrepp legt. Damit die Feuchtigkeit nicht verdunstet gibt man das Ganze in einen durchsichtigen Brozeitbeutel und hält das Minitreibhaus warm. Nach ca. 2 Wochen kann man abzählen, welcher Anteil noch keimt bzw. welche Menge des Saatgutes man ggf. besten zur Anzucht benötigen wird. Die Keimdauer variiert je nach Sorte: Paprika und Chilisamen zeigen teils schon nach 5 Tagen Keimblätter, Petersiele kann mehr als 3 Wochen dafür benötigen.

Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zum Thema: Halbgefrorenes für die Ewigkeit