Schädlingsabwehr und Pflanzenstärkung

Eine der häufigsten Fragen im Rahmen der Workshops ist, wie man schwache und kränkelnde Pflanzen stärken kann, wie man Läusen und Pilzkrankheiten begegnen kann.
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Kapuzinerkresse ist hübsch und hilft gegen Läuse
Generell ist zu beachten, dass die Balkonpflanzen die Jahreszeiten durchlaufen und dabei auch gewissen natürlichen Zyklen folgen. So stellen sich jedes Jahr die Läuse ein und es folgen normalerweise die Marienkäfer, deren Larven die Läuse als Nahrungsgrundlage dienen. Sodann verschwinden die Läuse wieder, zumal auch die Pflanzen Abwehrkräfte entwickeln (u.a. dienen die ätherischen Öle der Kräuter zur Abwehr arttypischer Fressfeinde). Zunächst gilt es also abzuwarten, ob sich das Problem von selbst löst. Wenn nicht, kann man mit biologischen Mitteln ein wenig nachhelfen. Eine Bekämpfung durch Gifte sollte man ausschliessen. Sie helfen oft nur vordergründig, in dem sie die "Schädlinge" (und auch Nützlinge) töten, wohingegen die Pflanzen schwach bleiben und die nächsten Krankheiten vorprogrammiert sind.
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Kapuziner wächst auch im Gewächshaus
Auf dem Balkon sind es in erster Linie die limitierenden Faktoren des Topfgärtnerns wie Platzmangel, begrenztes Erdvolumen und relative Trockenheit, die den Pflanzen zu schaffen machen. Siehe auch andere Beiträge zu Schädlinge und Krankheiten. Diesen limitierende Faktoren zu begegnen, ist meist der erste und wichtigste Schritt hin zu gesünderen und kräftigeren Pflanzen.

Natürlich gibt es aber auch Möglichkeiten, die Pflanzen zu düngen und zu stärken. Dies durch die Zubereitung von "Pflanzensäften".

Die gängigsten Varianten:
  • Tee: Getrocknetes oder frisches Kraut mit heissem Wasser aufgiessen und 30-60 Minuten ziehen lassen. Kräuter aus dem Wasser nehmen. Tee kalt oder handwarm und unverdünnt auf die Pflanzen geben. Ggf. Filtern und mit einem Wassersprüher verteilen (Blattunterseite). Gegen Mehltau und Pilzkrankheiten hilft Knoblauchtee, Salbei- und Thymiantee wehrt Schädlinge ab. 
  • Brühe: 100-200 Gramm trockenes Kraut (Schachtelhalm, Meerrettich) zerkleinern, 24 Stunden in Regenwasser einweichen. Dann 30-45 Minuten köcheln. Auskühlen, abseihen, unverdünnt giessen oder 1:5 verdünnt aufsprühen. Am gleichen Tag verwenden.
  • Auszug: Wo Gärung oder Hitze die Inhaltsstoffe der Kräuter beschädigen würde (z.B. bei Kamille), kann man einen Kaltwasserauszug verwenden. Kräuter einen Tag in kaltem Wasser einweichen, auspressen und unverdünnt giessen oder aufsprühen. Sogleich verbrauchen, da der Auszug sonst verdirbt.
  • Jauche: 1kg frisches Kraut oder 100-200 gr. trockenes Kraut (z.B. Brennnessel, Ringelblume,  Beinwell) zerkleinern, in 10 Liter kaltem Wasser ansetzen (z.B. grosse Giesskanne, keine Metallgefäße). Während 1-3 Wochen täglich rühren. Sobald die Jauche dunkel ist und es nicht mehr schäumt, ist sie fertig. Zum Giessen verdünnen im Verhältnis 1:10 bis 1:20, die Blätter sollten davon nicht benetzt werden. Zum Aufsprühen auf 1:50 verdünnen. Der Verjauchungsprozess schliesst Nährstoffe, Spurenelemente und Wachstumshormone auf und macht sie für die Wurzeln der Garten- und Topfpflanzen verfügbar. Die Düngung eignet sich für Starkzehrer (Tomate, Kürbis, Zucchini etc.). Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen, Zwiebelpflanzen vertragen keine Jauche. Teilweise starke Geruchsentwicklung während des Gärungsprozesses und beim Ausbringen. (Nachbarschaft berücksichtigen!)
Anwendungsvarianten, Anwendung bestenfalls nach dem Regen
  • Gegen Pilze (Mehltau, Krautfäule, Braunfäule, Apfelschorf, Monilia, Rost, Sternrußtau): Ackerschachtelhalmbrühe, enthaltene Kieselsäure festigt Zellwände der Nutzpflanzen und erschwert Pilzen das Eindringen
  • Gegen schädliche Insekten und Johannisbeer-Säulenrost: Wermutjauche (Der Wermut hat die gleiche Wirkung, wenn man ihn direkt neben / in den Johannisbeerstrauch pflanzt. Johannisbeeren sind die einzigen Pflanzen die diese Nachbarschaft vertragen - und auch schätzen.)
  • Für gesunde Rosen: Ackerschachtelhalmbrühe sprühen, Brennesseljauche giessen
  • Gegen Ameisen: Salbei- und Thymiantee sowie Kaffeesatz giessen
  • Gegen Blattläuse: Brennesselauszug, wöchentliche Anwendung (speziell für Balkongärtner, die nicht so viel Spritzbrühe benötigen: Einen Liter Wasser kochen, 2 Beutel Brennnesseltee hinein, ca. 2 Wochen stehen lassen, sieben und sprühen. )
  • Gegen Blattläuse an Zimmerpflanzen: Basilikumblättertee
  • Gegen Blattläuse, Schild- und Blutläuse: Kapuzinerkressetee
  • Gegen Eiablage der Kohlweislinge: Tomatenkraut, Kaltwasserauszug, pur sprühen
  • Gegen Wühlmäuse und Maulwürfe: Thujalaubjauche 1:1 verdünnt in Gänge geben
  • Düngung von Gemüse und Fruchtgemüse: Brennesseljauche oder Beinwelljauche, hoher Kaliumgehalt (z.B. 1 kg frische oder 150 gr. getrocknete Blätter vom Beinwell, zwei Hand voll Ringelblumenblätter und Blüten auf 10 Liter Wasser) Anwendung 1:10 einmal die Woche
  • Ameisen und Läuse: Ameisen betreiben eine Art Landwirtschaft, indem sie Läuse auf Pflanzen ansiedeln, um sie zu melken. Zudem lieben Ameisen die meist trockenen Balkonkistchen sehr. In einem gewissen Rahmen kann man ihnen das "Mitbalkongärtnern" schon zugestehen, denn diese Symbiose ist nicht ganz uninteressant. Werden es aber immer mehr Ameisen und Läuse, sollte man sie gemeinsam "vergrämen" (siehe oben) und die Erde dabei sehr feucht halten.
Generell gilt wie immer: Ausprobieren. Auch andere Kräuter können vergärt werden, beispielsweise solche, die auf dem Balkon oder im Garten überhand nehmen (Löwenzahn etc.). Samen und samentragende Unkräuter nicht verwenden. Nach der Verjauchung im Verhältnis 1:5 verdünnen und zum Giessen verwenden. Je nach Kraut können die Brühen giftig sein (Vorsicht bei kleinen Kindern!).